
Als Künstlerin fühle ich mich beauftragt den Betrachter zu konfrontieren. Ich möchte meine Anschauung, meine inneren Prozesse und Auseinandersetzungen ausdrücken und spielen - mit allen Mitteln und Medien, die mich faszinieren, um so ein Kunstwerk entstehen zu lassen, das den Betrachter erreicht und bestenfalls auch in ihm vielleicht neue, bisher unbekannte, Prozesse in Gang setzt.
In meiner Arbeit als bildenden Künstlerin beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit dem Einsatz von Intuition und Improvisation als Methode für künstlerische Schaffensprozesse. So entstehen meine Skulpturen ausschließlich auf diese Weise und sind gekennzeichnet von einer stillen, kraftvollen Klarheit und Direktheit, die sich meiner Meinung nach zwangsläufig aus dieser Arbeitsweise ergibt.
Ich wende mich ohne Absicht dem Material zu, bin ohne jegliches Bild, ohne eine Vorstellung, was passieren soll. Wenn es mir gelingt, mich aus diesem Prozess herauszunehmen und ohne Bewertung den formenden Händen zuzuschauen, ergreift etwas Anderes, etwas Tieferes die Sprache, das genau weiß, was gesagt, was ausgedrückt werden will.
In meinen Skulpturen drückt sich die Natur des Menschen, das Spiel aus Konflikten, Hindernissen und den verschiedenen Gefühlswelten aus. Dabei sind es erstmal meine Konflikte, meine Gefühle und Gedanken, die gleichzeitig jedoch eine Allgemeingültigkeit haben. Meine Skulpturen beschreiben die Göttlichkeit, das Erhebende, das ich in mir und jedem Menschen sehe, doch auch die Niederlagen, die Zweifel und Ängste, die dem Bewußtsein um diese innere Göttlichkeit im Wege stehen.
Meine Arbeiten sind einerseits naturalistisch, doch dieser Naturalismus wird durch die analysierende Suche nach der geometrischen Form, die dem äußeren Erscheinungsbild zugrundeliegt, unterbrochen. Waren die früheren Plastiken eher weich und zeigten fast ausschließlich eine naturgetreue Abbildung des Menschen, so grenzen sich meine aktuellen Werke immer mehr durch ausgeprägte Linien und klare Kanten ab. Beide Gestaltungsweisen sind in einer Form vereint. Diese Gegenüberstellung der vereinfachten geometrischen Form und der natürlichen Form ist für mich ein Spiegelbild des Menschen und der ihm innewohnenden Göttlichkeit.