27.12.2007

Über die Performancearbeit mit Stimme und Tanz


In dieser Performance gibt es keine Choreografie und kein gesangliches Arrangement.
Alles ist improvisiert. Keiner weiß, was als nächstes geschehen wird.
Auf diese Weise erfordert der Einsatz von Stimme und Körper ein besonders hohes Maß an Präsenz und ein „Zuhören“ und Wahrnehmen der Anderen, Sängern wie auch Tänzern, und außerdem die Bereitschaft, sich in jedem Moment dem Geschehen neu hinzugeben und das persönliche Vorhaben in den Dienst des Gesamten zu stellen. Die Akteure werden zu Meditierenden.

Bei dieser Arbeit geht es mir weniger um das, was dabei „herauskommt“ sonder vielmehr um das, was “hinein gegeben wird“ , in der Annahme, dass dies zwangsläufig eine spürbare Auswirkung auf das Produkt haben wird.
Ich möchte den Versuch unternehmen, die Intensität des Gegenwärtigseins, die durch die Aufmerksamkeit der Akteure für alle Geschehnisse des Augenblicks entsteht, für den Zuschauer erlebbar zu machen. Nicht nur die Akteure sondern der Zuschauer selbst soll zum Meditierenden werden.

Angefangen hat diese Arbeit mit Experimenten zu viert, mit zwei Tänzern und zwei Sängern, gesanglich nur mit zwei Mikrofonen und intensiven Effekten wie Delay und Hall ausgerüstet, die es erlaubten in das eigene Echo hinein zu singen und dadurch rhythmische Sequenzen und Verzerrungen zu erzeugen. Es entstanden Experimente mit unterschiedlichen Spielformen, gemeinsamen Verabredungen oder "Spielregeln“, die es Sängern und Tänzern ermöglichten, sich durch unterschiedliche Phasen des Stücks hindurch zu orientieren und zu einem gemeinsamen Ende zu gelangen.



Auftritt im Rahmen der Werkschau des Community Dance Netzwerkes Hamburg, Dezember 2007
v.l.n.r. Aurel Bantzer, Nushin Morid, Ralf Meyer, Susanne Busse


Auch wenn ich für die Zukunft nach wie vor interessiert bin, mehrere Sänger und Tänzer in einer Improvisation zu verbinden, hat sich inzwischen gezeigt, dass es gut ist, die Anzahl der Akteure für den Anfang zu reduzieren, um das Wesentliche dieser Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren.
Es hat sich eine Form herauskristallisiert, in der ich mit nur einer Tänzerin, Susanne Busse, zusammenarbeite. (mehr zu Ihrer Person und Arbeit siehe Link ganz unten auf dieser Seite)
Die Improvisation entsteht entweder ganz ohne Impuls von außen oder aber nachdem ein Inhalt, z.B. ein Wort oder ein Gedicht, in den Raum gestellt wurde. Es gibt keinerlei Verabredungen oder Regeln.

Inzwischen arbeite ich mit Mikro und Loopgerät, ein Gerät, das das Eingesungene immer wiederholt und mit dem ich meine Stimme in Schichten aufeinander aufbauen kann, so dass eine Vielstimmigkeit erzeugt wird. Dabei singe ich keine Lieder oder Songs, sondern setze die Stimme experimentell ein, um einen Raum oder eine Atmosphäre zu kreieren, die im gegenseitigen Impuls mit der Tänzerin steht. Natürlich kommt dabei auch Gesang und Rhythmus zum Einsatz, ohne Text. Die "Stücke" haben immer einen Anfang und ein Ende und können zwischen 5 und 30 Minuten sein.

Vor kurzem (April 2009) haben wir diese "Spielform" erstmals auf einer Vernissage vorgestellt und uns dabei auf die 5 ausstellenden Künstler und ihre Werke bezogen, so dass 5 Stücke à ca 4-8 Minuten entstanden, insgesamt eine Performance von einer Stunde.
Wir haben das Publikum einbezogen, denn das musste uns zu den Arbeiten des jeweiligen Künstlers Assoziations-Begriffe nennen, womit nochmal ein schöner Fokus auf die Werke entstand. Diese Begriffe haben wir dann versucht in einem kleinen Stück zum Ausdruck zu bringen.
Das staunende und begeisterte Feedback des Publikums und unsere Freude beim Tun hat uns gezeigt, dass aus dem Moment heraus Großartiges entstehen kann, und das so unmittelbar Entstandene den Betrachter berührt.

Über Gelegenheiten wie diese, unsere Arbeit zu zeigen, sind wir dankbar! Und wir sind offen, mit neuen Anregungen und Wünschen zu spielen.