DER STILLE KRIEGER ist, abgesehen von wenigen früheren Skulpturen, die erste, die Nushin aus weißem Ton fertigt. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Meditation beginnt anscheinend ein neuer Schaffensabschnitt, der "eine neue Farbe erfordert". Hat Nushin zuvor fast ausschließlich mit dunklem Ton gearbeitet, den sie rückblickend als den "Tiefgang in die Seele", als "dunkles Meer" empfindet, so symbolisiert Weiß für sie "das Licht der Seele"."Der stille Krieger" zeigt die Suche nach "der Form hinter der Form" auf. Nushin sucht die Ur-Form, sie sucht den Kern des Menschen, das Göttliche, das Ursprüngliche.
An den Seiten des Kopfes, dessen Gesicht organisch gearbeitet ist, werden Masken abgenommen, um tiefer vorzudringen zu der Schicht, die der abgenommenen zurgrundeliegt. Dort, wo die Anatomie beginnen würde, geht man von dem organischen Gesicht aus, beginnt die Formensprache Nushins. "Man glaubt, die wahre Identität gefunden zu haben, wenn man jedoch weiterforscht, entdeckt man, dass die darunterliegende Ebene der Wahrheit noch näherkommt."Die Gebilde seitlich des Gesichts lassen an Ohren erinnern. Die Form rechts ist nach außen gerichtet, aufnahmefähig. Es versinnbildlicht die Kommunikation, das Verbundensein mit der Realität im Außen und sich auf eben dieses Außen zu beziehen.
Anders die Form links des Gesichts. Sie ist muschelartig, labyrinthähnlich und steht für das Nach-Innen-Lauschen, den Kontakt zu der inneren Realität."Den Kontakt nach innen zu haben, gleichzeitig aber auch nach außen, ist die höchste Form der Meditation, es bedeutet völlig präsent zu sein."
Ein Krieger versinnbildlicht für Nushin Beharrlichkeit. Er spürt innere Widerstände und Ängst auf, und selbst wenn das Bewältigen dieser eigenen inneren Hindernisse noch so schwierig erscheint und schmerzlich ist, begibt er sich auf seinen Weg, der durch sie hindurchführt – beharrlich.
Text: Julia Dreihardt